Audioguide über den Störmthaler See - LVZ

Ostwald-Gymnasiasten und Sehbehinderte arbeiten mit Picturesound-Studio gemeinsam an Seeführer der etwas anderen Art

In der Leipziger Volkszeitung vom 26. September 2014 erschien folgender Artikel von Herrn Jörg ter Vehn:

"Mit Aufnahmegerät, gespitzten Ohren und vielen Fragen waren diese Woche rund ein Dutzend Jugendliche am Störmthaler See unterwegs. Ihr Ziel: Einen Audioguide über den neuen See zu erstellen. Unter ihnen waren Ostwald-Gymnasiasten, aber auch vier Schüler der Wladimir-Filatow-Schule für Blinde und Sehbehinderte, die in das Vorhaben buchstäblich eine andere Sichtweise hineintrugen."

Philipp (14) ist einer von ihnen. Am Montag, seinem Geburtstag, seien sie im Bergbau-Technik-Park gewesen, hätten dort viel über die Geschichte der Braunkohleförderung und auch das Entstehen des Störmthaler Sees erfahren, erzählte er. In gemischten Gruppen fragten sie nach, führten Gespräche mit den am See Aktiven und normalen Besuchern.

'Wer nicht so gut sieht, kann über seine anderen Sinne umso besser mitreden', erklärte Projektleiterin Yvonne May den Hintergedanken des Inklusionsprojekts. So kam es, dass sie am Mittwoch am Aussichtspunkt Störmthal Infos vom Naturschützer Heino Streller über die Flora und Fauna des Gebietes bekamen, aber auch das Wiegen der Bäume und Sträucher im Wind und das plätschernde Wasser am Ufer hörten.

Alles zusammen soll nun in den neuen Audioguide einfließen, der heute im Picturesound-Studio in Großpösna in die nötige Form gebracht werden soll. Texte werden eingesprochen, Audioschnipsel aus den Aufnahmegeräten zusammengeschnitten, um zusammen ein gesprochenes Bild vom See zu ergeben. 'Wenn alles fertig ist, wollen wir den Guide natürlich auch ins Internet stellen', kündigte Studioleiter Timo Metzkes an.

Er freut sich, dass neben dem Soziokulturellen Zentrum Kuhstall als Träger des Studios die Heidehof-Stiftung zur Finanzierung des Projekts gewonnen werden konnte. Sie ist als Träger von Werkstätten für Menschen mit Behinderung und von Einrichtungen der Altenhilfe, der Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik tätig, aber auch in Projekten der Bildung und der Ökologie.
Gestern stand für die Schüler noch ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm: Nach einem Besuch des Ferienresorts Lagovida ging es zu Fuß zum Vineta- Bistro und von dort per Motorfähre und mit gezücktem Aufnahmegerät rüber auf die schwimmende Kirche zum Picknick. Vorher wurden aber noch im Hafen von Lagovida die typischen Marina- Geräusche aufgenommen: Wie die Stahlseile der Segelboote gegen die Alumasten klappern, wie die Wellen gegen die Stege schlagen. Rita Becker, Schulleiterin der Wladimir-Filatow-Schule, stellte in Lagovida auch überrascht fest, dass es dort keine Behindertenparkplätze gebe, keine Blindenwegweisung und auch keine Geländer, um Stürze ins Wasser zu vermeiden. Dafür passte sie umso besser auf ihre Schützlinge auf."