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Die Schule für besonders begabte SchülerInnen in Mathematik/ Naturwissenschaften/ Informatik des Großraums Leipzig

Von roten Sternen, blauen Komplexen und Putinkalendern

oder

Der Kampf der 45 Metropolen1 um den Sieg – eine Reise in das Land der Opulenz2

Seit vier Jahren reisen jedes Jahr im September Teams aus aller Herren Länder und Megacitys in die wirklich einzige3 Megametropole westlich des Himalaya, dort teilzunehmen an der IOM, der Internationalen Olympiade der Metropolen und sich zu messen in den edlen Künsten der Mathematik, Informatik, Physik und Chemie!Aus Deutschland treten an Frankfurt a.M., Berlin4, Dusseldorf5, Dresden und natürlich - Leipzig.
Aufgrund des unfassbar genialen Langzeitplans eines einzelnen Lehrers, der hier nicht namentlich genannt werden soll6, war das Meeting am Leipziger Flughafen um 4 Uhr morgens angesetzt.7 Als um 4:00 Uhr morgens acht Schüler und drei Lehrer schlaftrunken (die einen haben drei Stunden geschlafen, die anderen die Nacht gleich durchgemacht), in die Lobby zum (noch geschlossenen) Schalter schlurfen, kann man es schon richtig knistern hören, das Olympiadenadrenalin.

Nachdem ausgerechnet ich in einer verdachtsunabhängigen Intensivkontrolle auf Sprengstoff untersucht wurde, wo doch eigentlich Herr Bätz das vakante Individuum in dieserlei Dingen ist, heben wir auch schon ab Richtung Moskau. Die Bedingungen und Ziele sind von Anfang an klar: Nicht letzter- und besser als Dresden.

Mit an Bord:
Aaron Dötsch und Felix Kleinsteuber für Informatik, Hannes Diener und Simon Köhler für Physik, Wibke Weiße und Christoph Doktor für Chemie, Bernhard Lindner und Tobias Struck für Mathematik

Außerdem jedes Jahr treu dabei:
Herr Bätz, Herr Brucherseifer und Frau Krüger

In Moskau angekommen werden wir im 4-Sterne-Hotel untergebracht, in dem es außer an Fahrstühlen8 an wirklich nichts gemangelt hat.9 Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase und einer ersten Shoppingtour für russischen Schokolade und natürlich Wodka geht es direkt zur Eröffnungsveranstaltung, bei der die Russen schon mal beweisen, dass sie keine halben Sachen machen. Nach einer eineinhalbstündigen gewagten Komposition aus Krach, Dampfsäulen, Varieté, Tanz, einer animierten AI, Moderation, Reden, noch mehr Reden und Konfetti10, kommt man zu dem Schluss, dass doch, und das war für russische Verhältnisse doch erstaunlich und ein bisschen putzig und ein bisschen Tränendrüsengedrücke, neben den 4 bekannten Naturwissenschaften die Freundschaft doch mit Abstand die fünfte sei.11

Sonntag Abend sitzen wir dann alle gespannt um die Nachrichten der Sachsenwahl versammelt und spielen schon mal mit dem Gedanken, doch noch die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen.

Den ersten kleinen Höhepunkt gibt es mit dem Blitzwettkampf am Montag. Alle acht Teilnehmer zusammen an einem Tisch + 80 Aufgaben + zwei Stunden Zeit ergeben eine explosive, hochkonzentrierte Mischung. Nachdem die Chemie der Physik und die Informatik der Mathematik an Aufgaben zugeschoben hat, wofür sie sich nicht verantwortlich fühlt, beginnt das fröhliche Rechnen. Ergebnis: Irgendwo im Mittelfeld. Schlechter als Dresden.

Besser wird es am nächsten Tag in der ersten richtigen Runde, in der Chemie und Physik die Experimentalrunde. Aufgrund meines nicht vorhandenen Allwissens kann ich nur sagen, dass die Informatiker irgendwas programmiert12 und die Mathematiker irgendwas bewiesen haben, die Physiker mussten stattdessen den Partialdruck von Kohlenstoffdioxid in einer Sprudelwasserflasche bestimmen und die Chemiker durften fröhlich mit allem, was in Deutschlands Chemiekabinetten verboten, aber wundervoll bunt ist, also Nickel-, Cobalt- und Chromkomplexen rummatschen.

Am Tag danach kam die Theorie. Nachdem die Informatiker vermutlich wieder irgendwas programmieren und die Mathematiker irgendwas anderes beweisen mussten und die Physiker irgendwas mit dem NEWTON-LAPLACE-Universum zu tun hatten13, konnten wir in der Chemie schöne, leicht patriotisch angehauchte Aufgaben zu roten Sternen auf der Spitze der Türme des Kremls, Herstellung von Gift und dem Nachweis von Fingerabdrücken lösen.

Wichtiger Höhepunkt: Der Geburtstag von Herr Bätz. Nachdem wir unserem Lieblingschemielehrer unter 1,70 im vollbesetzen Speisesaal zu seiner Fremdscham und der anderen Freude ein launiges Happy Birthday gesungen hatten, konnten wir ihm auch schon unser Geschenk überreichen: Ein Original-Putin-Kalender14 mit einem stylischen Putinbild für jeden Monat, wahlweise mit Merkel und Trump.15

In der verbleibenden Zeit bis zur Closing Ceremony konnten wir dann entweder mit den Professoren um Punkte feilschen oder Moskau besichtigen. Sehr zu empfehlen ist U-Bahn-Hopping. Da die Moskauer U-Bahnhöfe aufs Feinste verziert sind und aller 2 Minuten eine U-Bahn kommt16, funktioniert das so: Einsteigen, zur nächsten Station fahren, Aussteigen, zwei Minuten umschauen, Einsteigen, usw.

Außerdem ist eine Fahrt zur Aussichtsplattform eines Wolkenkratzers im Central-Business-District17 Moskaus, ein Besuch des Roten Platzes und der Basilius-Kathedrale18 sowie eine Besichtigung des Kremls mit Militärparade inklusive im Sightseeingprogramm über die Woche verteilt drin gewesen. Als alle gerade am Verdursten sind, gibt Herr Bätz eine Runde Kwas oder, um sich an seine Worte zu halten „russische Bionade“ aus.

Vor der endgültigen Ergebnisbekanntgabe musste natürlich noch von den Russen ihre Uni behuldigt werden. Als uns stolz eine Kalaschnikov mit Karbonmodifizierungen von den Studenten präsentiert wird, werden bei einigen erwachsenen männlichen Begleitpersonen sentimentale Erinnerungen an die Militärzeit wach.19

Dann kam der Moment der Wahrheit- die Abschlussveranstaltung. Ähnlich opulent organisiert wie das Opening, nur diesmal mit Funkensprühern statt Dampfsäulen. Außerdem ähnlich launig in den Reden wie die Eröffnung: „Als wir hörten, dass wir 400 junge Naturwissenschaftler in unserem Land haben, dachten wir uns gleich- die müssen wir um jeden Preis behalten!“.20

Schlussendlich haben wir ziemlich abgeräumt. Bronze gab es für Aaron, Felix, Hannes, Simon und Wibke, Silber für Christoph.

Damit konnte Leipzig insgesamt eine Bronzemedaille abräumen. Punkt 1 (Nicht letzter) war damit schon mal geklärt. Punkt 2 auch: Wir waren am Ende um einen Punkt besser als Dresden.

Und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen von Moskau. Unseren opulenten Pokal verstauten wir zum Glück im Koffer, eine weise Voraussicht, da ich kurz vor der Einreise sicherheitshalber nochmal verdachtsunabhängig auf Sprengstoff kontrolliert wurde.

Damit das Fazit dieser Reise:
1) Die Russen machen keine halben Sachen     2) Erschreckend aber wahr, die meisten Russenklischees stimmen.  3) Es gibt in Russland mehr Menschen mit Dreadlocks als in Ungarn.

Damit verabschieden wir, Christoph21 und Felix uns endgültig aus der Wettbewerbssparte des Ostwalds. Nun müssen folgende Generationen Deutschlands guten Ruf in Moskau vertreten, wenn Berlin und Düsseldorf das schon nicht tun. Wir verbleiben also in gespannter Erwartung bis zum nächsten Jahr!

C h r i s t o p h    D o k t o r

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1) Und Leipzig

2) siehe Fußnote 9

3) zumindest aus russischer Sicht

4) Die Berliner dachten sich: „Der Wettbewerb ist in Moskau, also Russland, lasst uns die Sprachschule schicken!“, das wurde nur noch getoppt von:

5) Sie haben ihrem Namen alle Ehre gemacht

6) aber sein Kürzel ist BRU

7) Um auch den richtig guten deutschen Touristen zu vertreten

8) 6 Fahrstühle / 400 Schüler die zum Essen wollen in 15 Minuten = nun ja, Chaos

9) Um nur ein kleines Beispiel zu bringen, hier ein Ausschnitt des Kissenmenüs auf unseren Zimmern: Camel-Hair-PillowUnique properties of camel wool not only provide a sound sleep but also treat sick muscles and joints, neutralize toxins, enhance blood microcirculation an rejuenate the skin.“ - Ich denke der Fall ist klar

10) Nicht übertrieben

11) Wo doch wirklich jeder weiß, dass die Biologie die fünfte Wissenschaft ist…

12) Wahrscheinlich würden die Informatiker, wenn man sie fragt, sogar genau so antworten.

13) Unter dem Urknall machen's die Physiker anscheinend nicht

14) In der engeren Auswahl waren noch: Ein Flachmann mit Putinkonterfei und mit Wodka gefüllt sowie ein T-Shirt mit Putin, oberkörperfrei auf einem Bären reitend

15) Dieser Absatz hat folgenden Sinn: Jetzt wo alle, die diesen Artikel gelesen haben, wissen, dass dieser Kalender existiert, kann Herr Bätz ihn sich nicht mehr einfach zu Hause ins Klo hängen.

16) Oder wie Herr Bätz sagte: „Der Abstand zwischen zwei U-Bahnstationen in Moskau beträgt 1800 Meter, die Länge des ganzen Leipziger U-Bahntunnels beträgt- 1800 Meter.“

17) Ha, doch was gelernt in Geo!

18) Physiker: Ha, das klingt ja wie „Basilikumkirche“!  -  Mathematiker: Sieht aber eher aus wie Brokkoli. -  Informatiker: Hatte die nicht was mit Zwiebeln zu tun?

19) Also wenn Herr Bätz dann nächste Woche mit der Kalaschnikov über der Schulter und den Worten „Zettel raus!“ in der Tür steht, müsst ihr euch nicht wundern...

20) Da musste sogar die Übersetzerin kurz lachen

21) Hurra, beim nächsten Artikel gibt es also wieder weniger Fußnoten!