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Die Schule für besonders begabte SchülerInnen in Mathematik/ Naturwissenschaften/ Informatik des Großraums Leipzig

   „Wo ich in den Ferien war? Ich war in Urspring, das ist ein Ortsteil von Schelklingen. Ähm, Alb-Donau-Kreis? In der Nähe von Ulm? Was ich da gemacht habe? Ich war bei einer Akademie.“

   Die lang ersehnten Sommerferien auf einer Akademie zu verbringen mag für viele wie ein Albtraum erscheinen, auch wenn man am WOG eher ein offenes Ohr findet als vielleicht anderswo, da die Schule sich unter anderem durch langjährige, erfolgreiche Teilnahme an verschiedenen, meist naturwissenschaftlichen Wettbewerben auszeichnet.

   Doch „Bildung & Begabung“ ruft nicht nur zu Wettbewerben auf, sondern veranstaltet im Sommer jeden Jahres mehrere Akademien, bei denen bis zu 96 Jugendliche in einer Zeitspanne von 16 Tagen im Rahmen eines Kurses das jeweilige Thema auf universitärem Niveau erarbeiten. Die Bewerbungsphase startet im Januar und die Kurswahl erfolgt im März, wobei im Jahr 2013 eine Aufnahmerate von 46% bei einer maximalen Teilnehmeranzahl von 16 Schülern pro Kurs vorlag. Für mehr Infos zu Bewerbung und Platzvergabe hier der Link zur Website: https://www.deutsche-schuelerakademie.de/

   Ein weites Spektrum an Kursen ist bei allen Akademien garantiert, welches in Urspring von „Gleichungen, die die Welt bewegen“ und „Experiment Wirtschaft“ über „ Die Energiepolitik der Europäischen Union“ und „Justitia und die Musen“ zu „ Zwischen den Kulturen?“ und schließlich „Kinder- und Jugendliteratur in der Weimarer Republik, dem Dritten Reich und der Nachkriegszeit“ reichte. Das Glück war wohl auf meiner Seite, denn ich wurde nicht nur angenommen, sondern sollte sogar den Kurs „Energiepolitik der EU“, meinen persönlichen Favoriten, besuchen. Zu den Kursen möchte ich gerne hinzufügen, dass die DSA im Ganzen eher mathematisch/naturwissenschaftlich/technisch orientiert ist, wodurch sich unter Teilnehmern wie Akademieleitung in Urspring schnell der Begriff der „Geisteswissenschaftenakademie“ etablierte (wenn auch öfter als Fluch denn als neutrale Bezeichnung genutzt).

   Die Kursarbeit selbst erfolgte nach dem täglichen Plenum in kleineren Gruppen à maximal 16 Teilnehmern plus zwei Kursleiter, wofür jeder Teilnehmer zuvor ein Referat über ein bestimmtes Thema vorbereitet hatte. Wir beschäftigten uns in fünf Kurseinheiten pro Tag u.a. intensiv mit den Zielen sowie volkswirtschaftlichen Grundlagen der EU-Energiepolitik, beleuchteten die relevanten Akteure und ihre jeweiligen Ziele, bekamen einen Einblick in das europäische Gesetzgebungsverfahren und das Zusammenspiel von europäischer und nationaler Energiepolitik und setzten uns ausgiebig über Inhalt und Wirkung wichtiger europäischer Rechtsakte (u.a. Erneuerbare-Energien-Richtlinie, Energieeffizienz-Richtlinie, Ökodesign-Richtlinie) auseinander, meist mündlich in der Gruppe, seltener auch schiftlich. Einer der Höhepunkte unseres Kurses war zweifellos der Besuch eines Kernkraftwerks inklusive Führung, welcher uns das Alias "die AKWler" einbrachte,  durch den in der nächsten Kursseinheit eine rege Diskussion entbrannte. 

   Um auch einen Blick auf die Arbeit unserer „Nachbarkurse“ werfen zu können, fand am zweiten Samstag die Rotation statt, in deren Rahmen die Teilnehmer der Akademie die Möglichkeit hatten, in Präsentationen anderer Kurse vorbeizuschauen. Vorgestellt wurde in Vierer-Gruppen, sodass jeder in drei andere Kurse hineinschnuppern konnte und selbst einmal präsentierte, was eine Menge an außerplanmäßiger Arbeitszeit forderte.

   Noch mehr zusätzliche Arbeit als die Rotation forderte jedoch die Dokumentation, an deren Beiträge Teilnehmer bisweilen bis lang nach Mitternacht noch saßen, zu konzentriert um den WLAN-Himmel zu genießen (das einzige Gebäude mit Internetzugang). Wäre das Verbot nicht gewesen, hätten einige von uns sicher direkt in der Bibliothek geschlafen. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Nachtkühlschrank so gut wie immer leer war und wir einen exponentiell ansteigenden Schokoladen und vor allem Kaffee-Konsum aufwiesen …

   Das ebenso rapide ansteigende Schlafdefizit, welches uns bereits am ersten Tag angekündigt wurde, war jedoch auch nicht ganz frei von Eigenverschuldung: tagsüber konnten KüAs (kursübergreifende Angebote) besucht und auch angeboten werden, sodass sie einigermaßen frei von den Akademieteilnehmern gestaltet werden konnten. Bei uns zeigten diese eine Varietät, die von sportlichen Angeboten wie etwa Standardtanz oder gemeinsamen Workout und Hip-Hop über Improtheater und Sprechtraining zum Debating Club oder der philosophisch angehauchten Darkroom Society reichte – allein die musikalischen Angebote umfassten einen Chor, eine Musical- und eine Jazz/Brass-Band sowie verschiedene Ensembles. Ein weiteres Highlight war eine Exkursion, bei der verschiedene Ziele zur Auswahl standen. Es ging bspw. nach Stuttgart und Ulm, man konnte Kanu oder Rad fahren oder in Sigmaringen Mercedes besuchen oder auch an einer Höhlenwanderung teilnehmen.

   Traditionell fand auch dieses Jahr wieder das kursübergreifende Volleyball-Tunier mit integriertem Cheerleading-Wettbewerb statt, wobei unser Kurs mit einem glorreichen Doppelsieg triumphieren konnte – nicht zuletzt dank der vielen aufgeopferten Mittagspausen zu Gunsten des Trainings und vielen liebevoll gestalteten Plakaten mit vor Einfallsreichtum strotzenden Sprüchen: „Ole, ole, ole, ole!!! Pro AKW, pro AKWWW!!!". Aber auch die Vorbereitung auf diverse Auftritte –  ein öffentliches Abschlusskonzert, Dank an die Küche und den Bunten Abend – forderten Probenzeit. Bei letzterem bekamen außer den Kursen auch die kontinuierlichen KüAs die Gelegenheit, Ergebnisse zu präsentieren. So schien der letzte Abend fast wie eine Rückschau auf die Akademie: die Beiträge überzeugten durch Originalität und gewitzte Kommentare. Es wurde viel gelacht und fast ebenso viel geweint, nicht zuletzt durch einen sehr bewegenden Gedichtvortrag einer Teilnehmerin.

   Und fielen am letzten Abend keine Tränen, so war doch die Stimmung beim letzten Plenum von Abschied geprägt. Zum letzten Mal wurden gemeinsame Munter-werd-Übungen durchgeführt, worüber sich die Allergiker wieder besonders freuten und ein letztes Mal wurde die Neue Schule von unseren schiefen Tönen zarten Stimmchen erfüllt. Sogar das täglich erdröhnende Akademielied schien auf einmal gar nicht mehr so schlimm zu sein. Kurz danach war es Zeit für die ersten, zu gehen – aber dank Facebook und co., der Kontaktliste und auch dem Club der Ehemaligen (CdE)  ist es kein endgültiger Abschied. Und bestimmt hallte dem ein oder anderen der Refrain unseres Abschiedsliedes noch im Kopf nach: „Ein Hoch auf uns, auf unser Urspring …“

   Sollte dieser kleine Erfahrungsbericht nun bei jemandem das Interesse geweckt haben, stehe ich gerne für weitere Fragen zur Verfügung.

   Liebe Grüße,
   Jessica Zhao

 

   PS: Um Missverständnissen vorzubeugen: Unser Kurs war keingeswegs "pro AKW" eingestellt. Denn wir hatten auch noch den hier:

"Windenergie - haut rein wie nie!"